Bernard Descamps

Natura

© Bernard Descamps

Bernard Descamps zitiert gern Jacques Prévert, der einmal zu dem humanistischen Fotografen Édouard Boubat sagte: „Du bist ein Friedensberichterstatter.“ Descamps schätzt diese Bezeichnung noch immer – als Gegensatz zum inflationär gebrauchten „Kriegsberichterstatter“. 2015 sagte er in einem Interview: „Wir hätten eine Vereinigung gründen sollen. Ich wäre auf jeden Fall dabei gewesen.“

Descamps, ein studierter Biologe, wandte sich in den 1970er-Jahren der Fotografie zu, blieb jedoch der Wissenschaft weiterhin verbunden, die wie das fotografische Tun einen Versuch darstellt, die Wirklichkeit zu verstehen. „Die Wirklichkeit besteht nicht nur aus Elend und Gewalt“, so Descamps, der bei seinen Reisen nach Mali, Indien, Venezuela oder ­Madagaskar das dortige Leben nicht gern auf eine allzu direkte Weise festhält. „Wenn mir etwas gefällt, drücke ich auf den ­Auslöser.“ Descamps, der 1986 Gründungsmitglied der renommierten französischen Agentur VU’ war, erkundet seit fünfzig Jahren in poetischen Schwarz-Weiß-Bildern alle Winkel des Planeten sowie alle Genres seiner Kunst, ein unermüdlicher Reisender, der sich jeder Kategorisierung entzieht. Auf den Bildern dieser Ausstellung scheint die Natur wie aus der Zeit gefallen zu sein. Descamps’ Ziel ist es, beim Betrachter dieselbe Gefühlsregung hervorzurufen, die er selbst bei der Entstehung des Bildes empfunden hat. „Jede Fotografie ist ein Selbstporträt“, so Descamps. „Denn man fotografiert weniger die Realität als vielmehr die Projektion des eigenen Selbst auf die Realität.“ Kann man also aus den verblüffenden Bildausschnitten, Kompositionen und Lichtverhältnissen seiner Bilder die Persönlichkeit von ­Bernard Descamps herauslesen? Nicht unbedingt. Doch jedes einzelne Bild offenbart seine gewaltige Schaffenskraft, und seine Arbeit ruft uns die Herkunft des Wortes Fotografie in Erinnerung: fotografieren bedeutet, „mit Licht zu schreiben“. Die Fähigkeit, den entscheidenden Moment festzuhalten, wie die berühmte Formulierung von Cartier-Bresson lautet, doch das ist noch nicht alles. In unserer Zeit, in der mittlerweile jede:r mit dem Handy „den Moment festhalten“ kann, rufen uns Descamps’ Bilder wieder ins Bewusstsein, dass fotografieren auch bedeutet, dem Moment eine visuelle Struktur zu verleihen, um das Einzigartige an ihm herauszustellen. Das, was – im Gegensatz zum gewöhnlichen Bild – eine wahrhafte, schöne Fotografie ausmacht.

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