CULTURE OF SOLIDARITY

DIE AUSSTELLUNGEN IN TULLN, CELJE UND BRATISLAVA

© Michel Bouvet

Die Ausstellungen in Celje wurden auf 2024 verschoben, weitere Infos folgen.

Culture of Solidarity ist die Klammer für jene Ausstellungs-Kooperationen, die das Festival außerhalb Badens zeigt – in Tulln, Celje und in Bratislava. Während in Bratislava die Siegerfotos des Global Peace Photo Awards sowie eine Art Best-of-Retrospektive des Festivals im Rahmen des Monats der Fotografie präsentiert wird, zeigt das Festival in Tulln Gregor Schörgs Arbeit über das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal und in Celje sind Erik Johannsons Bildserie „Rätselhafte Illusionen“ und zwei Bildzyklen von Nick Brandt „This Empty World“ und „The Day May Break“ zu sehen.

Nick Brandt wurde nach seiner Karriere als Regisseur zu einem der bedeutendsten Fotokünstler der Welt. 

Bevor er sich mit Haut und Haaren der Bewahrung der afrikanischen Tierwelt verschrieb, war Brandt als Regisseur tätig. Er drehte unter anderem Videoclips, darunter Stranger in Moscow, Childhood und Earth Song von Michael Jackson. Während der Dreharbeiten zu Earth Song kam Brandt in Kenia zum ersten Mal in Kontakt mit jener Tierwelt, die er seit nunmehr über fünfzehn Jahren fotografiert. Seinen Erfolg als Fotograf verdankt er auch seinem filmischen Können. Nicht zuletzt durch die Verbindung dieser beiden Herangehensweisen gelang es ihm, die Bildsprache der Tierfotografie in Schwarz-Weiß zu revolutionieren.

Seine Bilder der Serie „This Empty World“, die man als surreale Dystopien bezeichnen könnte, zeigen Elefanten, Nashörner, Löwen und Giraffen, die ziellos durch die Szenerien irren, die Brandt mit seinem Team errichtet hat. Ein Werk, das seinem Schöpfer gleicht: ehrgeizig, engagiert und visionär. Diese Serie – Brandts erste in Farbe – führt auf eindringliche Weise eine Welt vor, die vom galoppierenden Fortschritt überrannt wird und in der Tiere keinen Raum zum Überleben mehr haben.

Seine Arbeit „The Day May Break“ ist der erste Teil einer globalen Serie, die sowohl Menschen als auch Tiere porträtiert, die vom Ökozid betroffen sind – wie Brandt den weltweiten Klimazusammenbruch nennt: „Ökozid das ist die Ermordung unserer Heimat, des Planeten Erde“.

Erik Johansson erschafft das, was du dir vorstellst“, heißt es auf seiner Internetseite, auf der seine Qualitäten als Bildbearbeiter sowie sein fotografisches Gespür beschrieben werden. Zu seinen Kunden gehören Weltkonzerne wie Toyota, Google, Microsoft und Adobe, aber auch berühmte, ja sehr berühmte Künstler. So findet sich etwa eines seiner Werke in der Box The Later Years von Pink Floyd.

„Bei meinen Fotos soll der Betrachter ein paar Sekunden lang nachdenken müssen, um herauszufinden, worin der Trick besteht.“ Je eingehender man sich mit den Bildern von Erik Johansson beschäftigt, desto weniger begreift man sie. Schon als er mit fünfzehn Jahren die Fotografie für sich entdeckte, entwickelte er die Technik, die seine weitere Laufbahn bestimmen sollte.

Während bei vielen Fotokünstlern der schöpferische Prozess mit dem Drücken des Auslösers beendet ist, fängt bei Johansson dann erst alles an. Indem er mehrere Bilder kombiniert, die nichts miteinander zu tun haben, erschafft er surrealistische, ja irrwitzige Szenerien, die alle ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein zum Ausdruck bringen.

„Es geht darum, ein Puzzle der Wirklichkeit zu erschaffen“, erläutert Johansson. „Dazu fragt man sich erst, wodurch Illusion entsteht. Dann stellt man die Elemente zusammen und erschafft dadurch eine alternative Realität.“ Bei diesem Vorgehen gelten bestimmte Regeln, so müssen sich die Bilder etwa hinsichtlich Perspektive, Licht und Kontrast gleichen.

„Ich fange lieber Gedanken ein als Augenblicke“, so der 36-jährige gebürtige Schwede, der heute in Prag lebt und dessen Leidenschaft der Kunst und der Zeichnung gilt.

„Das fertige Bild soll möglichst schwer verständlich sein“, fasst Erik Johansson zusammen. „Der Betrachter soll nicht erkennen können, wo das Original beginnt.“ Wie bei einem perfekten Zauberkunststück.

Der Global Peace Photo Award inspiriert von den österreichischen Friedensnobelpreisträgern 1911 Alfred Fried und Tobias Asser, würdigt und fördert Fotograf:innen aus aller Welt, deren Bilder das menschliche Streben nach einer friedlichen Welt und die Suche nach dem Schönen und Guten in unserem Leben festhalten. Der Preis geht an jene Fotografien, die am besten die Idee zum Ausdruck bringen, dass unsere Zukunft im friedlichen Miteinander liegt.

Innerer Frieden, friedliches Zusammenleben, Frieden innerhalb einer Gemeinschaft, Frieden zwischen den Nationen, internationale Friedenspolitik – was verbinden wir damit? Da viele wichtige Fotopreise die Konflikte und Krisen, die Kriege und Katastrophen auf unserem Planeten in den Mittelpunkt stellen, wird in der Regel nicht beleuchtet, wozu Menschen sonst noch fähig sind. Der Global Peace Photo Award, der 2013 als Alfred Fried Photography Award ins Leben gerufen wurde, füllt diese Lücke: Er zeigt die verschiedenen Facetten der Friedfertigkeit und vervollständigt das Bild des Menschen um seine guten Seiten. Er ehrt die Bilder, die von Erfolgen statt von Misserfolgen erzählen, von Empathie statt von Hass, von Bewahrenswertem statt von Zerstörung, von Ermutigung statt von Qual und vom Menschenrecht auf Schönheit.

Gregor Schörg ist sozusagen mit der Kamera in der Hand an der Seite seines Fotografen-Vaters Christian Schörg aufgewachsen. Vor vier Jahren hat ihn das Drohnen-Fieber gepackt, eine Leidenschaft, die ihm den 2. Platz beim Bundeslehrlingswettbewerb für Jungfotografen 2021 eingebracht hat. Grund genug für das Festival, Schörg Junior damit zu betrauen, etwas zu fotografieren, das so schützenswert ist, dass es so gut wie nicht betreten werden soll, das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal. Der Idealfall für Drohnen-Fotografie. Es sind „Die endlosen perspektivischen Möglichkeiten“, die Gregor Schörg faszinieren und die er nutzt, um dem Wildnisgebiet ein zweiteiliges visuelles Denkmal zu setzen.

Der Urwald Rothwald existiert seit tausenden von Jahren. Er beobachtete die Entwicklung Niederösterreichs über Zeiträume hinweg, die für uns Menschen kaum begreifbar sind. Das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal ist mit seinen unberührten Naturräumen ein emotionaler Urgrund unseres Heimatgefühls. Gerade die Hochzeit der Eisenverarbeitung mit ihrer intensiven Holznutzung trug wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung Niederösterreichs bei. Der Urwald Rothwald zeigt uns, wie unsere Heimat durch Zeit und Natur geformt wurde.

Das Grenzgebiet zwischen Steiermark und Niederösterreich hat eine wechselvolle Geschichte. Die Urwälder ganz Mitteleuropas wurden über Jahrhunderte hinweg so massiv genutzt, dass sie bis Ende des 19. Jahrhunderts auf zirka 400 Hektar zusammengeschrumpft waren. Albert Rothschild kaufte 1875 die Waldflächen rund um Gaming und Göstling/Ybbs mit dem Rothwald inmitten. Als visionärer Naturromantiker erkannte er die Bedeutung dieses Urwaldrestes, der seit der letzten Eiszeit vom Menschen unberührt geblieben war. Gegen den Zeitgeist verbot Albert Rothschild seinen Forstleuten die Nutzung dieses Waldes. Im Einvernehmen mit der Familie Rothschild wurde das Schutzgebiet ab 1988 schrittweise erweitert. Im Jahr 1942 wurde es unter Schutz gestellt, 2001 wurde das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal mit einer Fläche von 1152 Hektar etabliert. Bis 2021 konnten weitere 7000 Hektar in das Wildnisgebiet eingegliedert werden. Ein ungemein wichtiger Schritt zur Erhaltung unserer Natur, die sich hier unbeeinflusst vom Menschen entwickeln kann. Ein Zukunftsprojekt ohne gleichen. Im Jahr 2017 wurde das Wildnisgebiet zum ersten UNESCO Weltnaturerbe Österreichs erklärt.

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