Nadia Shira Cohen

Der Honig der Götter

© Nadia Shira Cohen

Bei den Maya galten Bienen als Geschenk des Gottes Ah Mucen Cab und als Verbindung zur Welt der Geister. Da verwundert es nicht, dass die Völker auf der Halbinsel Yucatán im Südosten Mexikos schon seit mehreren tausend Jahren Bienenzucht betreiben. Bis zur Einführung des Zuckerrohrs im 16. Jahrhundert diente der Honig der Bienengattung Melipona als natürlicher Süßstoff. In der Antike verwendeten ihn die Maya unter anderem bei religiösen Zeremonien. Auch gehörte es einst zu den Aufgaben der Priester, zweimal im Jahr die Honigernte zu feiern. Im berühmten Codex Madrid, einem der vier erhaltenen Maya-Codices, ist der Imkerei sowie dem Gott Ah Mucen Cab ein langer Abschnitt gewidmet. Der Honig wird noch heute wegen seines Geschmacks geschätzt, seine Gewinnung ist jedoch außerordentlich mühselig. Ein Bienenstock erbringt jährlich nur etwa ein bis zwei Liter Honig, ein europäischer Stock dagegen rund siebzig Liter.

Jahrhundertelang war die Halbinsel Yucatán dank dieser Bienen der größte Honigproduzent der Welt. Ab 2011 stellte die mexikanische Regierung jedoch den Landwirten Subventionen bereit, um mithilfe genmanipulierter Pflanzen die Produktion von Soja zu steigern. Diese Möglichkeit wurde größtenteils von mennonitischen Bauern in Anspruch genommen, die über ausreichend finanzielle Mittel verfügten, um große Anbauflächen sowie den notwendigen Maschinenpark zu kaufen. Die Mennoniten waren in den 1970er-Jahren nach Yucatán gekommen. Ihre Zahl wird heute auf 60 000 geschätzt. Ihnen gegenüber stehen etwa 15 000 indigene Maya.

Dieses Nebeneinander hat zur Folge, dass die Stöcke der Melipona-Bienen seit einigen Jahren verschwinden oder von den Pestiziden, die die Bauern im Übermaß einsetzen, vergiftet werden. Und der Honig, der noch produziert wird, weist Spuren dieser Pestizide auf, weshalb er auf dem Weltmarkt nicht mehr als „biologisch“ verkauft werden darf. Für dieses Langzeitprojekt erhielt die amerikanische Fotografin Nadia Shira Cohen 2016 eine Auszeichnung beim World Press Photo Award sowie 2019 den Prix Photo der Fondation Yves Rocher. Sie erzählt in dieser Arbeit davon, wie die Gier nach Profit und die Ausbeutung der Böden zu irreversiblen Schäden in Flora, Fauna und dem gesamten Ökosystem einer Region führen.

Nadia Shira Cohen ist Trägerin des Prix Photo der Fondation Yves Rother / Visa pour l’image 2019. Ein Stipendium in Höhe von 8000 Euro ermöglichte ihr die Verwirklichung des Projektes God’s Honey, das beim Festival Photo La Gacilly zum ersten Mal in seiner Gesamtheit gezeigt wurde.

In Partnerschaft mit der Fondation Yves Rocher.

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