Landesinnung der Berufsfotografen Niederösterreich

Infrarote Grenzen | Verrottung

Der Eiserne Vorhang trennt im Theater das Bühnenhaus vom Zuschauerhaus hermetisch ab. Eine ultimative Grenze, die nicht einmal Feuer überwinden kann. In diesem Sinne war auch der politische und ideologische Eiserne Vorhang zu verstehen, der die beiden Wertesysteme Europas jahrzehntelang voneinander trennte: die marktwirtschaftlich orientierten demokratischen Staaten im Westen und die planwirtschaftlich geleiteten, realsozialistischen Diktaturen im Osten. Als Ungarn am 2. Mai 1989 mit dem Abbau des Eisernen Vorhangs begann, war das Tor zur Freiheit für tausende DDR-Bürger geöffnet. Im Juni durchschnitten die damaligen Außenminister Alois Mock aus Österreich und Gyula Horn aus Ungarn symbolisch den Grenzzaun zwischen den Nachbarstaaten. Vor gut 30 Jahren, am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer.

Grund genug für die Landesinnung der Berufsfotografen Nieder-österreichs, die Fotografen-Community einzuladen, in Bildern über Grenzen nachzudenken. Nicht nur über die physischen, sondern über alle, auch jene im Kopf, über Eingrenzung und Ausgrenzung, undsoweiter.

Um diese Grenzen noch deutlicher sichtbar werden zu lassen, wurden die Fotografen gebeten, dazu Infrarotfotografie einzusetzen, die Lichtwellenlängen nutzt, die länger als jene des sichtbaren Lichtes sind. Das führt dazu, dass die Erkennbarkeit von Objekten besser als in jenem des sichtbaren Lichts ist. Das musste zu Entdeckungen dort führen, wo scheinbar schon alles bekannt ist.

Seit Anfang März diesen Jahres nehmen in unserem Leben bestimmte Waren einen ganz besonderen Platz ein, denen wir zuvor nur wenig Beachtung geschenkt haben: Gesichtsmasken, Einweg-Handschuhe, Desinfektionsmittel – oder aber auch Klopapier. Meist benutzen wir sie alle nur für kurze Zeit. Wir verbrauchen sie in enormen Mengen, die dann zu Müll werden. Was sich so einfach sagt, sind de facto Entscheidungen über chemische und physikalische Prozesse, die Jahrhunderte andauern – oder im Fall von PVC ewig. 

Fotografen-Lehrlinge aus Niederösterreich und Salzburg haben diese Situation visuell untersucht und dabei nicht nur kreative Interpretationen entwickelt, um diese Objekte zu würdigen, sondern sie haben auch die Wirkmächtigkeit dieser Alltagsgegenstände für uns und unsere Umwelt evaluiert.

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