Elena Chernyshova

Leben in eisiger Kälte

© Elena Chernyshova

Zwar haben die Menschen schon immer versucht, den Permafrostregionen zu entkommen, dies gilt aber nicht für die meisten Arten, die auf der Erde leben. 80 Prozent der Biosphäre unseres Planeten gedeiht in Temperaturen von minus 5°C. Während die Erderwärmung den Lauf der Jahreszeiten durcheinanderwirbelt und unseren Planeten nachhaltig verändert, kommt eine Handvoll Menschen mit den extremsten Minusgraden zurecht.

In der russischen Stadt Norilsk fällt das Thermometer im Dezember auf -40°C und es gibt an 130 Tagen im Jahr Schneestürme. Warum also ließen sich diese Menschen in einer Gegend nieder, wo die Versorgung unglaublich schwierig ist? Einige wurden in die Verbannung geschickt. Andere wurden von Profitgier angelockt, nachdem Mitte des 20. Jahrhunderts Edelmetalle entdeckt wurden.

„Dies ist die zweitgrößte Stadt nördlich des Polarkreises“, erklärt die Fotografin Elena Chernyshova. „Ein faszinierender Ort, wo die Polarnacht 60 Tage andauert.“ Dann beschreibt sie den Alltag in dieser Stadt, die nur mit einem vom FSB, dem russischen Inlands-geheimdienst, unterschriebenen Pass zugänglich ist. „Norilsk ist die russische Stadt mit der größten Umweltverschmutzung. Die hier geborenen Kinder hatten keine Wahl. Die Löhne der Arbeiter sind sehr niedrig und alles ist teuer, weil alles importiert werden muss.“

Elena Chernyshova ließ sich zur Architektin ausbilden, bevor sie zur Fotografie wechselte, indem sie sich die notwendigen Fähigkeiten autodidaktisch beibrachte. Sie hat die kältesten Regionen Russlands bereist, um das Leben der Männer und Frauen zu dokumentieren, die gelernt haben, in diesen unwirtlichen Bedingungen zu überleben. Von Norislsk nimmt sie uns nach Vyksa im Bezirk Nischni Nowgorod mit, wo die Mitglieder des örtlichen Schwimmvereins das ganze Jahr über im eiskalten Wasser schwimmen, um ihre Abwehrkräfte zu stärken. Am nördlichsten Punkt der Nordostpassage trotzt die Besatzung der Fjodor Uschakow den Polarwinden und durchbricht das ewige Eis, um den Weg von Murmansk zum Kap Deschnjow freizumachen. In der Mine von Kupol leben die Arbeiter die ganze Zeit unter Tage, sodass sie nicht den eisigen Temperaturen ausgesetzt sind. Chernyshovas Reise zeichnet ein fotografisches Bild aus der Mitte eines unglaublichen Tumults von Eis und Dunkelheit, wo das immer gleiche Weiß des Himmels nahtlos in das schneebedeckte Land übergeht. Sie bietet uns eine Reise ans Ende der Nacht und ans Ende der Kälte. 

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