Maxime Taillez

Grenze(n)

© Maxime Taillez

Grenzen sind unbestreitbar Menschenwerk. Sie sind nicht starr und verändern sich im Lauf der Geschichte. Doch oft vergessen wir mit der Zeit, dass sie zur Welt der Menschen gehören, die dem Land seine Prägung verliehen und Gräben geschaffen haben, geografischer, kultureller oder gesellschaftlicher Natur. Grenzen entsprechen unserem Bedürfnis, die Welt zu vereinfachen: hier das Drinnen, das „Wir“, und dort das Draußen, das „Andere“. Grenzen sind Ausdruck von Konstrukten – sei es kultureller, begrifflicher oder technischer Natur –, die über einen langen Zeitraum hinweg entstanden sind. Sprachen, Währungen, Schlagbäume, Ausweispapiere, Kameras, Überwachungssatelliten und zahlreiche andere Erfindungen sichern unser Gefühl der Zugehörigkeit.

In seiner in Frankreich entstandenen Arbeit setzt Maxime Taillez all diese komplexen Aspekte des Begriffs der Grenze zueinander in Beziehung – seien diese Grenzen konkreter oder immaterieller Natur – und regt den Betrachter dazu an, das eigene Verhältnis zu diesem Begriff zu überdenken, der für unsere Lebenswelt prägend ist und sowohl eine Beschränkung darstellt als auch Perspektiven öffnet. In Europa genießen Waren und in der EU wohnhafte Menschen dank des Schengener Abkommens uneingeschränkte Bewegungsfreiheit. Begrenzungen sind verschwunden, früher getrennte Gebiete sind jetzt vereint. Menschen können sich frei bewegen und so die Vorzüge aller Regionen genießen. Das Niemandsland in der Umgebung von Grenzposten ist heute oft ein touristisches Ziel, und auch steuerfreie Handelszonen finden sich dort zuhauf. Auch die Natur fordert ihr Recht zurück. Die hier gezeigte Ausstellung ermöglicht es den Betrachter:innen, sich in dieses Langzeitprojekt zu vertiefen, das das französische Territorium umrundet. Mithilfe der Bilder lässt sich eine Vielfalt natürlicher und künstlicher Landschaften entdecken, in denen nur noch schwache Spuren der einstigen Trennung diese Grenzen bezeugen und unser Verhältnis zu ihnen hinterfragen.

Die Arbeit wurde 2012 begonnen und wird weiter fortgesetzt. Maxime Taillez geht oder fährt die Grenzen ab und dokumentiert mit seiner Fachkamera, wie sich die Landstriche und ihre Bewohner verändern und entwickeln.

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