Cássio Vasconcellos

Jenseits der Wirklichkeit

© Cássio Vasconcellos

Verblüffende Bilder sind es, die uns der brasilianische Fotograf Cássio Vasconcellos präsentiert. Zum Glück zeigen die meisten von ihnen nicht die Wirklichkeit. Wie etwa die verwirrende Aufnahme eines imaginären Rollfelds mit einem surrealen Gewirr aus 250 Flugzeugen, das möglicherweise auf eine alptraumhafte Zukunft verweist. Heute denken wir dabei an Bilder von Flughäfen, vor denen sich Flugzeuge aneinanderreihen, die zum Stillstand verurteilt sind, weil der Reiseverkehr wegen der Corona-Pandemie weltweit zum Erliegen gekommen ist. Vasconcellos versucht in seinen Arbeiten, die schwindelerregenden Zahlen der modernen Welt zu veranschaulichen. Ein anderes Foto aus der Serie Kollektive zeigt 50 000 Autos, aufgestellt in Reih und Glied. Ein Anblick, der sprachlos macht – und dabei entspricht diese Menge gerade einmal einem Prozent der fünf Millionen Fahrzeuge, die auf den Straßen von São Paolo, Vasconcellos Geburtsstadt, unterwegs sind.

Seinen apokalyptischen Visionen einer von Maschinen beherrschten Welt stellt Vasconcellos eine Serie monochromer Aufnahmen des brasilianischen Urwalds gegenüber, die von den Radierungen inspiriert sind, die der Comte de Clarac, ein französischer Archäologe und Gelehrter, in den 1820er-Jahren geschaffen hat. In dieser Serie, Eine pittoreske Reise durch Brasilien, präsentiert sich der Fotograf in zwei Rollen: als Umweltaktivist, der mit wissenschaftlicher Präzision die tropischen Ökosysteme in ihrer ganzen Verletzlichkeit und Vielfalt präsentiert, sowie als Künstler, der uns die Schönheit und die sanften Farben des Waldes vor Augen führt. In Zeiten, in denen die Wälder unseres Planeten immer wieder in Flammen aufgehen, ruft uns diese Arbeit in Erinnerung, welche Bedeutung das Amazonasbecken für das Überleben der Menschheit hat, und wie wichtig es ist, allen Menschen die majestätische Schönheit und die Zerbrechlichkeit der Urwälder bewusst zu machen. In diesen an Lithografien erinnernden Bildern mit ihrem Detailreichtum und ihren Hell-Dunkel-Kontrasten scheinen die Magie und das unergründliche Geheimnis dieser tropischen Weltgegend auf.

Cássio Vasconcellos, der in seinem Heimatland mehrfach ausgezeichnet wurde, ist ein Fotograf mit zahlreichen Handschriften. Wir zeigen hier eine Auswahl aus seinem vielfältigen Schaffen, mit zwei Serien, die auf den ersten Blick in Kontrast zueinander stehen, im Grunde jedoch aufeinander antworten. Bilder, die uns unmittelbar in den Naturraum einer anderen Zeit transportieren, als wollten sie belegen, dass diesem Raum die Auslöschung droht. Bilder, die unsere moderne Welt in Frage stellen – eine industrialisierte, entmenschlichte und zunehmend außer Kontrolle geratene Welt.

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