Carolina Arantes

Die Jagd auf das grüne Gold

© Carolina Arantes / MAPS Distribution

Das Volk der Juruna lebt am Rio Xingu, einem Seitenarm des Amazonas. Die Hölle hat für diese Menschen einen Namen: Belo Monte, ein gigantisches Wasserkraftwerk, dessen Staudamm mit seiner Höhe von über hundert Metern die Landschaft weithin beherrscht. Ein Ungetüm aus Beton und Stahl, das errichtet wurde, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Die gewaltigen Turbinen dieses rund 400 Meter breiten Kolosses produzieren 11 000 Megawatt Strom. Dieses Monster – das viertgrößte Wasserkraftwerk der Welt – hat seine nähere und weitere Umgebung völlig zerstört. Fast 50 000 Hektar Urwald wurden überflutet und das gesamte Ökosystem vernichtet, in dem indigene Stämme wie die Juruna ihren Platz hatten. Schätzungen zufolge mussten dem Kraftwerk 40 000 Menschen weichen. Viele Familien wurden nach Altamira umgesiedelt, der wichtigsten Stadt des Bundesstaates, die seit 2010, als das Projekt seinen Anfang nahm, rapide und unkontrolliert wächst.

Die Region war auch Schauplatz eines weiteren, ganz anders gelagerten Dramas, das sich im Sommer 2019 abspielte. Die Bilder der riesigen Brände, die im Urwald loderten, beherrschten wochenlang die Medien und erschütterten die Welt. Auch die aus Brasilien gebürtige und in Frankreich lebende Fotojournalistin Carolina Arantes ließ die Katastrophe, die in ihrer Heimat wütete, nicht gleichgültig. Sie reiste für mehrere Wochen ins Zentrum des Geschehens, dorthin, wo der Urwald schon seit Langem der Gier nach seinen Reichtümern zum Opfer fällt, nicht erst seitdem die Amazonasregion wegen der Brände weltweit in die Schlagzeilen geriet. Seit vielen Jahren beuten große Firmen und mächtige Landwirte die Ressourcen des Regenwaldes aus, ohne Rücksicht auf die Umwelt und die indigene Bevölkerung. Nach der Wahl Bolsonaros zum Präsidenten hat sich die Situation weiter zugespitzt. Innerhalb eines Jahres hat sich die Fläche, die der Entwaldung zum Opfer fällt, verdoppelt und liegt jetzt bei 10 000 km2 pro Jahr. Die chaotische, überbordende Stadt Altamira ist ein neues Eldorado geworden und zieht Abenteurer unterschiedlichster Couleur an.

Carolina Antares führt uns die ganze Trostlosigkeit dieses geopferten Paradieses vor. In ihren schlichten Aufnahmen zeigt sie aus nächster Nähe die Bäume, die ein Raub der Flammen wurden, Goldschürfer, Bauern, die neue Weideflächen für ihre stetig wachsenden Rinderherden erschließen, aber auch Ureinwohner, denen ihre angestammten Territorien entrissen wurden. Eine Fotoreportage, die Alarm schlägt. Und hinter dem Ungetüm Belo Monte lauert schon das nächste gefräßige Monster des Ultrakapitalismus: Belo Sun, ein Bergbauprojekt, das mindestens so dramatische Folgen haben wird wie die Errichtung des Staudamms.

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