Nyani Quarmyne

Vom Ozean verschluckt

© Felix Kindermann

„Die Erderwärmung ist eine Behauptung der Chinesen, mit der sie der Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Industrie schaden wollen.“ Diese Worte twitterte Donald Trump am Abend des 6. November 2012. Barack Obama hatte gerade die Präsidentschaftswahl gegen Mitt Romney gewonnen. Damals hätte niemand auch nur eine Sekunde lang geglaubt, dass Trump, der Geschäftsmann, Gastgeber einer Fernseh-Reality-Show, Amateurcatcher und augenscheinlicher Klimawandelverschwörungstheoretiker eines Tages ins Weiße Haus einziehen könnte.

Mag es dem 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten noch so sehr missfallen – der Klimawandel ist Wirklichkeit. 2016 ergaben Messungen in der Forschungsstation von Mauna Loa auf Hawaii, dass der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit den Wert von 400 ppm überschritten hatte. Der Anstieg der Meeresspiegel ist nur eine der zahlreichen Folgen des Klimawandels. Besonders eindrücklich ist dieses Phänomen an der Küste Ghanas zu beobachten, die Nyani Quarmyne in seinen Bildern zeigt. Quarmyne, der in Accra lebt und arbeitet, hat sich auf den Weg zu den Bewohnern der Fischerdörfer im Süden des Landes gemacht, zu den Menschen, die die Armut dazu zwingt, Haus und Hof zu verlassen, um nicht vom Ozean verschluckt zu werden.

„2004 besuchte ich das kleine Dorf Totope“, erzählt Nyani Quarmyne. „Damals sprach noch niemand vom Klimawandel, von Erosion, vom Anstieg der Meeresspiegel oder der Gefahr, vom Meer verschluckt zu werden. Als ich sechs Jahre später wieder dorthin fuhr, war die Region mit fließendem Wasser versorgt. Aber Totope stand komplett unter Wasser. Einer der Alten aus dem Dorf kommentierte das mit den erschütternden Worten: ‚Früher war das Meer fünf Kilometer entfernt.‘“

Viel zu häufig bleibt der Begriff des Klimawandels abstrakt und wird mit komplexen wissenschaftlichen Ausdrücken und Grafiken erläutert, die ein Normalsterblicher nicht versteht. Die Politiker setzen ihn zu Wahlkampfzwecken ein und nehmen das Wort in den Mund, ohne es in seiner ganzen Bedeutung zu erfassen. Arbeiten wie die von Nyani Quarmyne und anderen Fotografen, die sich mit diesem Problem befassen, dessen Lösung für das Überleben unseres Planeten vorrangig ist, tragen entscheidend zur Bewusstmachung bei – man glaubt nur, was man sieht. In Quarmynes Bildern wird die Bedrohung höchst anschaulich: vom Sand überflutete Männer und Frauen, an Orten, die noch vor Kurzem ihr Zuhause waren.

Festivaldirektor Lois Lammerhuber stellt die Ausstellung von Nyani Quarmyne vor

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