Ed Alcock

Entre chien et loup. Fabeln aus dem Morbihan

© Ai - Estelle Barreyre

„Im Winter 2017“, schreibt Ed Alcock, „war ich kreuz und quer im Morbihan unterwegs, um das Verhältnis zwischen Mensch und Tier zu erkunden, das ja von immer größerer Distanz geprägt ist. Ich habe die Menschen nach ihren Träumen und Kindheitserinnerungen befragt. Dabei habe ich Männer und Frauen kennengelernt, die einen ganz besonderen, innigen und engen Bezug zu Tieren haben. Ich habe Kinder entdeckt, die Hühner im Arm halten, wehmütige Tierpräparatoren, verbrannte Kuscheltiere, Hunde, die Truthähne rauben, und philosophierende Tierärzte. In der Ausstellung zeige ich ihre Porträts, begleitet von kurzen handschriftlichen Notizen.“

Dieses Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Festival von La Gacilly und dem Rat des Departements Morbihan entstanden ist, war für Ed Alcock der Anlass, diesen ihm bis dahin unbekannten Teil der Bretagne zu bereisen. „Im Französischen gibt es einen Ausdruck, der sich nur schwer übersetzen lässt“, so der Fotograf. „‚Entre chien et loup‘, was wörtlich so viel bedeutet wie ‚zwischen Hund und Wolf‘. Damit bezeichnet man die Stunden der Abenddämmerung mit ihrem ganz besonderen Licht. Ich finde, dieser Ausdruck eignet sich hervorragend als Titel für diese Ausstellung. Er passt nicht nur zu den Stimmungen, die die Bilder vermitteln, sondern auch zu der Dualität zwischen Mensch und Tier. Die Bewohner dieser Region haben sich der Kamera anvertraut und dabei gezeigt, dass sie allesamt, jeder auf seine Art, eine intensive Beziehung zur Natur haben.“

Bei seinen Erkundungen zwischen Vannes und Carnac, Saint-Jean-Brévelay und Trédion, Guillac und Saint-Nolff hat Ed Alcock das ungewöhnliche Porträt einer Region umrissen, indem er die Menschen, die in diesen Landstrichen leben und sie am Leben erhalten, aus nächster Nähe aufgenommen hat. Dabei sind Bilder entstanden, die von der Kälte des bretonischen Winters geprägt sind und die jetzt während des Festivals in sommerlichem Ambiente präsentiert werden. Diese Diskrepanz lässt die fotografische Handschrift Alcocks, der die versteckte Identität einer von Geheimnissen durchwirkten Gegend ergründet, deutlich hervortreten.

Die Bilder von Ed Alcock, der für die Agentur MYOP arbeitet, kreisen um die Themen Identität, Intimität und Familie. Sein erstes Buch, Hobbledehoy, das auch eine bis dahin unveröffentlichte Geschichte von Emmanuel Carrère enthielt, zeigte die quasi-symbiotische Beziehung zwischen einer jungen Mutter und ihrem Sohn. Seine letzten Serien, Love Lane und The Wait, erzählen von den verheerenden Schäden, die Familiengeheimnisse anrichten können.

Bürgermeister STEFAN SZIRUCSEK stellt die Ausstellung von Ed Alcock vor

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