Ute Mahler, Werner Mahler, Sibylle Bergemann

Sibylle

Die Zeitschrift Sibylle wurde 1956 mit der Absicht gegründet, den Lesern in der DDR ein Modemagazin internationalen Zuschnitts anzubieten. Es sollte mit den westlichen Vorbildern, mit der constanze, der Brigitte oder sogar der Vogue konkurrieren können und zugleich Werbung machen für eine Utopie, für den Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung. Seit Ende der Sechzigerjahre definierte sich das Journal als „Zeitschrift für Mode und Kultur“ mit Beiträgen über die alltagsgerechte Mode für die werktätige Frau in einem Industriestaat.

Das Journal erfreute sich von Anfang an enormer Beliebtheit. Die Fotografie, in ihrer doppelten Rolle als bildliche Darstellung von Mode und als künstlerische Interpretation, war ihr mächtigstes Wirkungselement. Der Fotografierstil kombinierte modische Aspekte mit dynamischen, erzählerischen Elementen. Über Jahrzehnte hinweg war die Zeitschrift ein Forum künstlerisch ambitionierter Fotografie. Sie zog immer wieder bedeutende Fotografen-Talente an wie Sibylle Bergemann und das Fotografenehepaar Ute und Werner Mahler. Alle drei gehören seit Jahrzehnten zu den herausragenden deutschen Fotografen. Ihnen gelingen neben besonderen Modefotografien Aufnahmen von leiser Stärke und sinnlicher Wucht verbunden mit einer humanistischen Interpretation der Welt. 

Auf die kraftvollen Anfänge folgte in den Achtzigerjahren eine Zeit der ästhetischen Experimente und unkonventionellen Positionen. In einem Umfeld, in dem das gesellschaftskritische Potenzial der Fotografie immer mehr ins Bewusstsein rückte, wurde der exotische Status der Sibylle noch verstärkt. Sie bot visuelle Alternativen und damit Auswege aus der „Republik des schlechten Geschmacks“ (Jonathan Franzen).

Mit dem Übergang zur Marktwirtschaft im vereinigten Deutschland geriet die Sibylle in schwere Turbulenzen. Nach 39 Jahren stellte die Zeitschrift Anfang 1995 ihr Erscheinen ein.

Im Jahr 1990 gründeten Ute Mahler, Werner Mahler und Sibylle Bergemann mit weiteren 4 Fotografen die Agentur der Fotografen OSTKREUZ, die sich an der genossenschaftlichen Berufsorganisation der Agentur Magnum in Paris orientiert. 

Kuratiert von Gisela Kayser

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