Kasia Strek

Polens letzte Kumpel

© Mathias Benguigui

Einige dieser Menschen haben jahrzehntelang Löcher in den Untergrund in Schlesien gegraben. Grubengas, Erderschütterungen, Maschinen und Ruß erfüllen den engen Raum, die Wände, Böden und die Decke der Passagen im Untertagebau, zittern: Polens Kumpel kennen alle Geheimnisse der Erde. Diese Arbeiter sind die letzten Vertreter der im Niedergang begriffenen Bergbauindustrie, die einst Polens ganzer Stolz war. Waren 1990 noch 400.000 Menschen vor allem in Oberschlesien tätig, sind es Heute nur noch 100.000. Nachdem die Minen 130 Jahre lang in Betrieb waren, schließt nun ein Bergwerk nach dem anderen. 

Auch wenn es immer weniger werden, so genießen die Bergbauarbeiter nach wie vor hohes Ansehen. In einem Land, in dem die Kohleindustrie 88 Prozent der Stromversorgung sicherstellt, genießt ein Bergbauarbeiter ähnlich hohes Ansehen wie Lehrer oder Ärzte. Denn es gab eine Zeit während der kommunistischen Ära, als die Kohle den finanziellen Beitrag zum Regime symbolisierte. Die Kumpel waren daher besonders angesehene Proletarier mit bemerkswert hohen Gehältern, attraktiven Pensionen und Zugang zu Geschäften, in denen es aller Arten von Haushaltsgeräten gab, die sich andere Berufsgruppen nicht leisten konnten. Der Status eines Bergbauarbeiters war so angesehen, dass er sogar Berühmtheiten zuteil wurde, die niemals unter Tage waren.

Heute, da die Regierungen in aller Welt versuchen, sich auf einen Wandel zu sauberer erneuerbarer Energie zu einigen und da junge Schlesier immer häufiger einen anderen Weg als ihre Eltern einschlagen, erscheint das heutige Modell dieses Industriezweiges als reichlich veraltet. Ironischerweise fand im Dezember 2018 die 24. Klimawandelkonferenz der Vereinten Nationen (COP24) in Kattowitz statt, in einer Region, die für die Hälfte der Umweltverschmutzung Polens verantwortlich ist. Die polnische Fotojournalistin Kasia Strek, die kürzlich vom Visa pour l’Image Festival und der Fondation Lagardère ausgezeichnet wurde, kam 1989, dem Jahr, in dem die Berliner Mauer fiel, zur Welt. Sie hat ihr Objektiv auf die letzten Kohlevorkommen in der Gegend um Radlin, Budryk und Bytom gerichtet, wo sich der schwarze Schleier des Kohlenstaubs über die Mauern der Wohnhäuser legt. Ihre Fotografien sind Erinnerungen an eine im Verschwinden begriffene Welt.

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