Justyna Mielnikiewicz

Ukraine und Kasachstan: Was macht eine Nation aus?

© Justyna Mielnikiewicz

Während manche Länder nach dem Fall des Eisernen Vorhangs unter russischer Hegemonie geblieben sind, haben andere wie die Ukraine und Kasachstan versucht, wieder zu ihrer Identität zu finden, zu dem, was ihr Land und ihr Volk ausmacht. „Die zentrale Frage meiner Arbeit ist die Frage nach dem Begriff der Nation“, erklärt Justyna Mielnikiewicz, die Weltbürgerin, aus Polen gebürtig und Georgierin im Herzen, die diese beiden Nachbarn Russlands bis in ihre Tiefen ausgelotet hat.

Beide Länder sind im Wandel begriffen. Die Ukraine definiert ihre geografischen Grenzen zwischen Ost und West seit 2014 neu, während der Krieg zwischen dem ukrainischen Staat und den pro-russischen Separatisten in den Republiken Donetsk und Lugansk andauert. Mehr als 10.000 Menschen sind bei den Kämpfen bereits ums Leben gekommen. Der düstere Hintergrund diese Konfliks ist die Annektion der Krim durch Russland im Februar 2014. „Die Menschen glauben oft, dass die Sowjet-union nur aus Russland bestand“, sagt -Mielnikiewicz. „Doch durch den Zusammenbruch des Sowjetblocks entstanden fünfzehn unabhängige Staaten. Und heute weigert sich Russland, diese seit Neuestem unabhängigen Länder zu entlassen, da es Angst hat, dass sie von Europa angelockt werden. Dies ist eine ständige Belastung für sie.“ Zwar arbeitete Mielnikiewicz nicht wirklich in Russland, ihre verschiedenen Projekte beleuchten jedoch den Einfluss, den das ehemalige Zarenreich auf die von ihr besuchten Länder hatte. So wie das Bild, das ein kleines Mädchen in Begleitung ihrer beiden Großmütter zeigt. Eine ist Russin, die andere Kasachstanin. Dies ist nur eine der vielen Geschichten, die Mielnikiewicz wie ein großes Mosaik erzählt, bei der unzählige Schicksale zu Tage treten. Menschen, die durch unterschiedliche geschichtliche Visionen auf beiden Seiten der politischen Debatte getrennt wurden, aber tatsächlich im Wesentlichen eine gemeinsame Vergangenheit haben. 

Die Fotografin, die Mitglied der jungen Agentur MAPS ist, lebt in Tiflis. Sie erhielt ein Eugene W. Smith Stipendium und war Gewinnerin des 2015 Aftermath Project. Mielnikiewicz betont die kulturelle und ethnische Vielfalt dieser Gesellschaften, die siebzig Jahre lang in einem Staat gelebt haben, der keine inneren Grenzen kannte, und erforscht, wie diese jungen Republiken sich unter zahlreichen Einflüssen weiterentwickeln. All dies hat dazu beige-tragen, dass sich eine nationale Identität entwickeln und der Wesenskern einer Nation entstehen konnte. 

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