Alexej Titarenko

Sankt Petersburg, Stadt der Schatten

© Alexej Titarenko

„Als Kind lernte ich Klavierspielen“, erinnert sich Alexej Titarenko. „Aber ich gab es auf, als ich die Fotografie entdeckte. Mein musikalischer Hintergrund hatte einen enormen Einfluss auf meinen Zugang zur Fotografie.“ Zu dieser Zeit war Titarenko noch als Assistent eines Orchesterleiters in Sankt Petersburg tätig. „Es war irgendwie die Musik von Dmitri Schostakowitsch, die mich veranlasste, meine Serie ‘Stadt der Schatten’ zu beginnen. Sie hilft mir nicht nur, all diese Bilder aufzubauen und sie miteinander zu verknüpfen, sondern sie hilft mir auch, die Fotografien zu visualisieren.“ Der in Leningrad (dem heutigen Sankt Petersburg), UdSSR, geborene russische Künstler Titarenko lebt heute in New York. Er nennt das Cello-Konzert Nr. 2 als ein besonders inspirierendes Musikstück: „Diese Musik verfügt über solch einen Erzählrhythmus, dass in meinem Kopf wirklich Bilder entstanden, als ich sie hörte. Sie beginnt beispielsweise sehr langsam, was mich an Fotografie mit langer Belichtungszeit erinnert.“

Von einem Bild zum nächsten werden wir auf einen Spaziergang durch das Viertel Kolomna entführt, „in dem auch die Helden Dostojewskis ihre Schicksale durchlebten“, schreibt Georges Golenki, Kunstkritiker und Forscher am Russischen Nationalmuseum. „Die Passanten, die man heute an den Ufern des Gribojedow-Kanals und der Fontanka oder auf dem Heumarkt sieht, erinnern an die Zeitgenossen des großen Schriftstellers. Ein sanftes und bläuliches, durchscheinendes Dunkel legt sich über alles und lässt die Unterschiede zwischen den Dingen verblassen. Es bedeckt sie, rückt sie näher zueinander und schafft so eine zeitweilige Ruhepause. Das schwache Licht und die gleitenden Schatten vereinen sich in Harmonie und umhüllen Gebäude, Bäume und Menschen, die in einem Mysterium des Tragischen vereint scheinen. So werden wir von der Musik der Melancholie in die Welt von Alexej Titarenko entführt.“ 

Wir zeigen hier zwei sich ergänzende Serien: ‘Stadt der Schatten’, ein traumartiges Porträt von Sankt Petersburg aus der Zeit zwischen 1991 und 2000, und ‘Nomenklatur der Zeichen’, mit Fotomontagen und Collagen, die zwischen 1985 und 1991, also in den Jahren vor dem Ende der kommunistischen Ära, entstanden sind. „Die Serie entstand, als eine Ära die nächste abwechselte“, erklärt Titarenko. „Totalitarismus gefolgt von Perestroika: eine zerbrechliche Grenze zwischen Tragödie und Spott.“ Titarenkos Arbeit ist Ausdruck der instinktiven Reaktion eines Künstlers auf die Absurdität des sowjetischen Regimes mit einem Hauch von Melodien …

Mit Unterstützung der Galerie Camera Obscura (Paris).

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