Pascal Maitre

Die Palme der Zwietracht

© Pascal Maitre

In den dichten Wäldern Südostasiens nennt man es das „rote Gold“. Es fällt nicht vom Himmel, sondern aus den Kronen der Ölpalmen, und zwar in Form der Palmfrüchte, aus deren Fruchtfleisch es durch Pressung gewonnen wird: das so berühmte wie begehrte Palmöl. Ölpalmen sind auf gleicher Fläche acht Mal so rentabel wie Soja oder Raps, und ihr Öl kann mit geringem Aufwand, ohne mechanische oder chemische Verfahren, gewonnen werden. Ein Glücksfall für die Industrie, aber auch für die Produzenten vor Ort: Allein in Indonesien leben fünf Millionen Menschen von der Palmölgewinnung. Der Handel mit Palmöl hat Straßen, Transporter und Smartphones bis in die hintersten Winkel der Wälder gebracht. Für den Fortschritt gelten keine Beschränkungen.

Doch zu welchem Preis? Auf Luftaufnahmen ist deutlich zu erkennen, in welchem Ausmaß der Urwald dem Terrassenfeldbau Platz gemacht hat. Das lebhafte Lärmen des Dschungels ist dem bedrückenden Schweigen der schnurgeraden Reihen von Palmen gewichen. Die weltweite Anbaufläche von Ölpalmen beläuft sich mittlerweile auf 25 Millionen Hektar. Die Folgen für die Artenvielfalt sind verheerend. Orang-Utans sterben aus, Nashörner, und dazu eine unüberschaubare Anzahl endemischer Arten, die schon längst in Vergessenheit geraten waren.

Jenseits der Wälder schmiert das „rote Gold“ weltweit die Maschinerie der industriellen Produktion. Brotaufstriche, Fertiggerichte, Babynahrung – drei Viertel aller industriell hergestellten Lebensmittel enthalten Palmöl. Außerdem findet es sich in den meisten Kosmetikprodukten sowie in Treibstoffen. In Europa – das nur zehn Prozent des Weltmarktes ausmacht – bemüht man sich seit einiger Zeit um die Förderung der Produktion von nachhaltigem Palmöl. Doch die Vermarktungskette ist erst zu Teilen entwickelt, und die Entwaldung noch lange nicht gestoppt. Palmöl wird oft verteufelt, und doch können wir nur schwer darauf verzichten. Dabei könnte es einen wichtigen Beitrag zur Lösung eines der drängendsten Probleme unserer Zeit liefern: der Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung.

Der französische Fotograf Pascal Maitre zeichnet den Weg des Palmöls nach, von den großflächigen Plantagen in Malaysia bis zu Kleinbetrieben in Benin. Und er zeigt die Menschen, die, oft mehr schlecht als recht, vom „roten Gold“ leben.

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