Im Sommer 2024 hatten sich die WE&ME Stiftung der Familie Ströck und das Festival La Gacilly-Baden Photo zusammengefunden, um darüber nachzudenken, wie mit der Wirkmächtigkeit der Fotografie ein Problem aufgegriffen werden kann, dem Politik, Medizin, Pharmazie und Forschung irgendwie hilflos bis zur Unwilligkeit – um nicht zu sagen fast paralysiert – überwiegend aber zumindest inaktiv gegenüber stand.
Das Problem heißt ME/CFS – eine Erkrankung, die den Betroffenen bei scheinbar unversehrtem Körper alles Lebensenergie raubt und schon seit 1969 von der WHO als chronische Multisystemerkrankung eingeordnet wurde.
Nicht so von der Lehre und in der gelebten Praxis. Die Leidtragenden sind 80.000 Betroffene in Österreich und über 600.000 in Deutschland, die nicht nur von der Medizin unterversorgt oder abgeschoben oder falsch behandelt wurden und von den Vertreter:innen des Sozialsystem oft als Simulanten denunziert wurden.
Untragbare Zustände. Menschen verachtend.
Die Antwort der Fotografie war eine Reportage über Betroffene in Österreich, die von einem der besten Fotografen der Welt erarbeitet wurde, Brent Stirton. Alleine der Umstand, das Brent Stirton an diesem so sensiblen Thema mit den Betroffenen aufs Einfühlsamste gearbeitet hat, hat alle Medien Österreichs aufmerksam gemacht und ihre Bereitschaft geweckt, breit über das Thema zu berichten – von der Kronenzeitung bis zu Hanno Setteles Primetime-Format DOK 1 auf ORF 1.
Der Druck auf Politik und Institution wuchs stetig. Die von einer Initiative der Zivilgesellschaft – angeführt von der Familie Ströck – hart eingeforderten Reaktionen tragen erste Früchte. Medizinische Behandlungssstellen werden Zug um Zug im Burgenland, in Wien, in der Steiermark, in Niederösterreich und in Salzburg eingerichtet.
Noch immer viel zu langsam, aber … Im Geiste unseres Tuns, seht bitte den Beitrag von Mai Thi Nguyen-Kim.