Verena Andrea Prenner

Camping

© Adriano Ferreira Borges

„Nach Abschluss meines Studiums der Soziologie zog ich in den Nahen Osten. Während dieses Aufenthaltes erhielt ich eine Förderzusage für ein Projekt in der palästinensischen Westbank. Aus soziologischem Interesse nahm ich die Möglichkeit in einem Flüchtlingslager zu wohnen an. Neben meinem eigentlichen Projekt, das darin bestand, die Auswirkungen des Baus der israelischen Sicherheitsmauer auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der palästinensischen Taxifahrer zu untersuchen, bekam ich die Möglichkeit, als Fotografin für muslimische Hochzeiten zu arbeiten. Gleichzeitig begann ich, das Leben im Camp zu studieren: Wie wirken sich die prekären Lebensumstände auf die Individuen aus? Wie ist die Gesellschaft organisiert, welche Strukturen finden sich? Und wie wirkt sich ein Leben vor Ort auf mich persönlich aus?

Der Tagesablauf wird durch die muslimische Kultur und Religion, ein Leben zwischen Haram und Halal, dem Verbotenen und dem Erlaubten geprägt. Der individuelle Spielraum dazwischen ist minimal, vor allem für Frauen. Mein Einzug in das Camp als alleinstehende Frau stieß auf große Verwunderung bei den Bewohnerinnen und Bewohnern. Schnell galt ich als israelische oder palästinensische Spionin oder aber als minderwertige Frau. Unzählige Augen waren auf mich gerichtet, sobald ich das Haus verließ. Kurze Zeit nach meinem Einzug begann im Juni 2014 der Krieg im Gazastreifen. Das öffentliche Leben erstarrte. Was blieb waren Protestaktionen und Militäroperationen im Camp. Leid, Elend und Tod waren allgegenwärtig. In dieser Zeit entstand eine eigenwillige Beziehung zu der Campgesellschaft. Einerseits waren mir viele kulturelle und gesellschaftliche Paradigmen unverständlich, andererseits fühlte ich mich ihr auf einer Gefühlsebene nahe. Nach Monaten vor Ort und zwei weiteren Aufenthalten in den folgenden Jahren baute sich nach und nach gegenseitiges Vertrauen auf. Irgendwann war ich keine Fremde mehr, und so entschied ich mich, nicht nur außerhalb des Camps, sondern auch im Flüchtlingslager eine fotografische Arbeit zu realisieren. Doch dann kam die große Frage: Was zeigt man?“

Verena Andrea Prenner ist Soziologin und Fotografin. Für ihre künstlerische Arbeit unternimmt sie lange soziologische Feldforschungen und setzt sich mit Randgruppen auseinander, da Ränder bekanntermaßen die Mitte definieren. Daraus entwickelt sie Ideen, individuelle Reflexionen und Ansichten über Gesellschaften, die sie mit Hilfe von Laien und Passanten vor Ort in Form von inszenierter Fotografie darstellt.

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