Sune Jonsson

Erinnerungen an Schweden

© Sune Jonsson

„Die Jahre verlaufen so geradlinig wie die Telefonkabel entlang der Straße. Bilder jedoch frieren die verfliegende Zeit ein und verwandeln sie in eine Vielzahl von Sphären, in denen wir weiter leben. Wir können sie betrachten, in ihnen versinken, all die Dinge noch einmal erleben, die wir seit vielen Jahren außer Acht gelassen haben. Im besten Fall dienen diese Sphären als Wissensvermittler und bringen Menschen zusammen. […] Jedenfalls war das meine Absicht.“ Das Werk von Sune Jonsson ließe sich nicht treffender beschreiben, als er es selbst mit diesen Worten 1986 getan hat.

Sune Jonsson, geboren 1930 in Nyåker, einem abgelegenen Dorf im schwedischen Flachland, steht ganz in der Tradition der sozial engagierten dokumentarischen Fotografie. Er wird oft zu Recht mit Walker Evans verglichen, doch finden sich in seinen Bildern auch Anklänge an das ländliche Frankreich eines Robert Doisneau oder an die Atmosphäre bei Willy Ronis. Stark beeinflusst von den Fotografen der Farm Security Administration, die ab Ende der 1930er-Jahre die Armut im ländlichen Amerika während der Weltwirtschaftskrise dokumentiert hatten, nahm Jonsson sich vor, auf seiner Seite des Atlantiks ein vergleichbares Zeugnis zu schaffen.

Die Fotografie war nicht seine einzige Begabung. Seine literarischen Werke, darunter Romane und Kurzgeschichten, kreisen alle um ein gemeinsames Zentrum, seinen Geburtsort Nyåker. Das unterstreicht, wie sehr er seinen Wurzeln und dem schwedischen Landleben verbunden war, über das er auch einen Dokumentarfilm drehte, in Zusammenarbeit mit dem Museum von Västerbotten, für das er von 1961 bis 1995 tätig war. Der Film zeigt den Alltag der Menschen auf den kleinen Bauernhöfen, der Fischer, der Bergleute und der einfachen Leute auf dem nordschwedischen Land.

Ein halbes Jahrhundert lang beobachtete Jonsson die Gesellschaft in der Provinz Västerbotten, einer Region weitab von der Hauptstadt Stockholm, wo er studiert hatte. Als er Anfang der 1960er-Jahre in seine Heimatregion zurückkehrte, sah er sie mit anderen Augen, mit dem Blick des Intellektuellen und des Dichters, der es ihm ermöglichte, einen im Verschwinden begriffenen Teil der schwedischen Gesellschaft einzufangen. Ein gewaltiges, für die skandinavische Fotografie grundlegendes Werk, für das er 1993 den Preis der Hasselblad Foundation erhielt.

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