Seydou Keïta

„Das Studio der Ikonen“

© Françoise Huguier/Agence Vu

Seydou Keïta wird oft als „Vater der afrikanischen Fotografie“ bezeichnet. Ein Titel, den er vollauf verdient. Lange bevor die Fotografie zur Kunst wurde, war sie im Afrika der 1950er- und 1960er-Jahre ein florierendes Geschäft. Tausende Studios und Fotografen fanden sich über den gesamten schwarzen Kontinent verstreut. Die meisten dieser Wegbereiter eröffneten schon früh ein Studio, so auch Seydou Keïta, der 1948 in Bamako seine Arbeit als Porträtfotograf aufnahm.

Zur Fotografie war er durch einen Onkel gekommen, der ihm 1935 von einer Reise in den Senegal seine erste Kamera mitbrachte, eine Kodak Brownie Flash, wie sie auch der Begründer einer anderen fotografischen Schule, Henri Cartier-Bresson, in seiner Anfangszeit benutzte. Als Autodidakt verlegte Keïta sich auf Porträtaufnahmen und wurde schnell sehr erfolgreich. Schon bald ließ sich ganz Bamako von ihm ablichten: allein, zu zweit, im Familienverbund, im Freundeskreis, ganz- oder dreiviertelfigurig … Keïta setzte alle seine Kunden eigenhändig in Szene. Schon damals, zu einer Zeit, die noch kaum von Bildern geprägt war, besaß er ein Gespür für Eleganz. Seine Aufnahmen sind von unschätzbarem historischem Wert; entdeckt wurden sie in den 1980er-Jahren von dem Galeristen André Magnin, einem ausgewiesenen Kenner der zeitgenössischen afrikanischen Kunst.

„Seydou Keïta mochte die Menschen“, erklärt Yves Aupetitallot, Kurator der großen Keïta-Retrospektive, die im Sommer 2016 im Pariser Grand Palais gezeigt wurde. „Er entwarf mit ihnen regelrechte Inszenierungen, um sie im bestmöglichen Licht zu zeigen, wobei sein besonderes Augenmerk dem Stoffhintergrund sowie der Auswahl an Accessoires galt.“ Armbanduhren, Hüte, Schmuck, Füllfederhalter, Blumen, Autos, Motorroller und Rundfunkapparate vervollständigten das Bild und unterstrichen die Persönlichkeit der Porträtierten. Im Handumdrehen – und stets bei natürlicher Beleuchtung – gelang es Keïta, das Beste aus seinen Modellen herauszuholen. Alles liegt in einem Blick, einer Geste, einer Haltung. Keïta war ein Meister darin, solche subtilen und flüchtigen Details einzufangen. Seine Aufnahmen, die zwischen 1949 und 1962 entstanden, geben schlaglichtartige Einblicke in die bessere Gesellschaft im Mali jener Zeit. Doch darin erschöpft sich ihr Wesen nicht. Obwohl in Schwarz-Weiß gehalten und über 50 Jahre alt, verströmen diese Bilder eine zeitlose Modernität. Eine selten anzutreffende Qualität, und der Beweis dafür, dass wahres Talent niemals altert.

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