Emmanuel Berthier

Glénac: Das Erwachen der Sümpfe

© DR

Ein von Wasser bedeckter Landstrich, der nur mit leichten Booten befahren werden kann. Eine sumpfige Gegend, die einem Roman von Tolkien zu entstammen scheint, zauberhaft und geheimnisvoll. Ein sinnenbetörender Ort, an dem die Natur sich uneingeschränkt entfalten kann und der Mensch immer nur vorübergehend zu Gast ist.

Nach einer naturwissenschaftlichen Ausbildung arbeitete Emmanuel Berthier im Naturschutz an den Ufern der Rance zwischen Dinan und Saint-Malo. Diese praktische, naturnahe Tätigkeit ermöglichte es ihm, das Mündungsgebiet des Flusses gründlich zu studieren, und weil er seine Kamera stets dabeihatte, entstand daraus schon bald seine erste Fotoarbeit. Mittlerweile lebt Berthier am Golf von Morbihan. Die hier gezeigte Arbeit über das Sumpfgebiet Mortier de Glénac entstand im Zuge der Neuordnung der Gemeinde von La Gacilly, zu der seit Anfang 2017 auch Glénac und La Chapelle-Gaceline gehören. Berthier hat sich vom Aufsteigen der Winternebel bis zu den ersten Blüten des Frühlings viel Zeit genommen, um dieses naturbelassene Gebiet zu beobachten, diese Tier- und Pflanzenwelt, die im Lauf der Jahreszeiten allmählich erwacht.

„Was die Aufnahmen dieser Serie verbindet, ist der Nebel“, erklärt Berthier. „Er ist auf fast allen Bildern zu sehen, wie er geheimnisvoll und mystisch über der Landschaft hängt. Der Nebel prägt diesen Ort, an dem zu Frühlingsanfang und zu Beginn der Angelsaison wieder Menschen, aber auch Zugvögel Einzug halten.“

Diese Sumpflandschaft, die sich über 410 Hektar erstreckt, ist die größte Wasserfläche im Ein­zugsgebiet des Flusses Vilaine und seit 1981 französisches Naturerbe. Ein Schmuckstück der Natur und ein schützenswerter Ort, den Emmanuel Berthier in feinfühliger Manier festhält, indem er erst die kleinsten Details einfängt und dann den Blick hebt, um den Ort in seiner ganzen Erhabenheit zu erfassen. Wer sich von seinen Bildern gefangen nehmen lässt, vergisst früher oder später, dass hier ein Fotograf die Hand im Spiel hatte, und kann in eine Gegend entfliehen, die weit entfernt vom Lärm der Städte liegt. Es gilt, ein Territorium wiederzuentdecken, mit dem wir uns vertraut glaubten, das jedoch an manchen seiner zauberhaften Stellen an weit entfernte, exotische Weltgegenden erinnert. Orte, die geradewegs den Märchen und Legenden unserer Kindheit zu entstammen scheinen.

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