Emanuele Scorcelletti

Equus

© Marc de Giovanni

In dieser Ausstellung treffen zwei Welten aufeinander: der sagenhafte Wald von Brocéliande mit seinen majestätischen Pferden und das burleske Italien der Filme Federico Fellinis. Zwei Universen, die auf den ersten Blick nicht gegensätzlicher sein könnten. Doch vor der Kamera eines Fotografen fließen sie in den Gefilden des Morbihan auf natürliche Weise ineinander und werden eins. Eine unerwartete Liaison, die Emanuele Scorcelletti mit Geschick, Feingefühl und künstlerischem Gespür in Szene setzt.

Anfang 2017 dehnte die Gemeinde La Gacilly ihre Grenzen aus und umschließt seitdem auch Glénac und La Chapelle-Gaceline. Der Aufgabe dieser Auftragsarbeit rund um das Thema Pferde – das Pferd ist das Wahrzeichen von La Chapelle-Gaceline, wo sich das Pferdetheater von Patrick Massé befindet – konnte sich nur ein Künstler stellen, der ebenfalls bereit war, Grenzen zu verschieben und sein eigenes schöpferisches Terrain zu erweitern. Dem französisch-italienischen Fotografen Emanuele Scorcelletti ist dies mit Bravour gelungen. Bislang war er vor allem für seine Aufnahme von Sharon Stone auf dem roten Teppich von Cannes berühmt, für die er einen Preis beim World Press Photo Award erhielt.

Scorcellettis Bilder gleichen einem Traum. Einem süßen Traum, elegant und poetisch, der uns in eine Welt voller Symbole entführt, die unser Unbewusstes ansprechen und von jahrhundertealten Mythen erzählen. Und wie so oft in Träumen tauchen auch hier unvermittelt Fabelwesen auf und verleihen den gewöhnlichsten Szenen etwas Bizarres, Fremdartiges. So treten etwa in den zarten, schlichten Aufnahmen eines hochgewachsenen Pferdes im Galopp oder eines Karrens, der Schüler aus La Chapelle-Gaceline befördert, traumartige, gemäldegleiche Elemente hinzu, die die Kulisse für ein betörendes Schauspiel bilden, das Emanuele Scorcelletti mit meisterlicher Hand inszeniert. In der Manier eines Zirkusdirektors, der, ein Megaphon in der Hand, über Lautsprecher die Musik von Renato Carosone oder Nino Rota in die Manege schickt, hat Scorcelletti die Bewohner der neu geschaffenen Gemeinde kurzerhand als Laienschauspieler und -fotomodelle in seine Arbeit eingebunden.

Ihr, die ihr hier eintretet, öffnet die Augen und horcht auf. Wer zwischen den Bildern dieser in ihrer Weise einzigartigen Ausstellungen wandelt, wird das Rauschen der mystischen Winde des Morbihan hören. Ein Lufthauch, der an manchen Orten eine besondere Musik vernehmen lässt: den aus Italien kommenden, schmetternden Klang der Trompeten, der Geigen, der Tamburine und Trommeln aus La Dolce Vita, La Strada oder Amarcord.

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