David Chancellor

Jäger

© DR

Jedes Jahr das gleiche Spiel. Alles beginnt mit einem Foto. Meist zeigt es einen Zahnarzt, einen Präsidentensohn oder einen x-beliebigen Touristen. Er oder sie lächelt triumphierend in die Kamera, das Gewehr über der Schulter. Dahinter die sterbliche Hülle einer Großkatze oder einer Giraffe. 2015 machte das Foto von Walter Palmer, der vor dem Kadaver des Löwen Cecil posierte, weltweit Furore und löste eine Bewegung aus, die in den Augen mancher Menschen die größte Kampagne zur Rettung von Wildtieren war.

Warum das alles? Was treibt diese Großwildjäger an, die auf der Jagd nach Trophäen nach Afrika reisen? Wo verläuft die Grenze zwischen legaler und illegaler Jagd? Kann die Jagd auf ein Tier unter bestimmten Umständen zur Erhaltung seiner Art beitragen? Der britische Fotograf David Chancellor hat diese Jäger mehrere Jahre lang begleitet. Manche von ihnen fand er vor dem toten Tier ins Gebet versunken. Andere weinten. Reue zeigte jedoch keiner. Diese Männer und Frauen lächeln leichthin in die Kamera, wenn sie sich neben dem Tier präsentieren, das sie erlegt haben, nachdem sie dafür ein Vermögen hingeblättert haben. Ähnlich setzen sie sich voller Stolz in Szene, wenn sie sich in ihren Wohnzimmern präsentieren, die von ausgestopften Tieren nur so überquellen und deren Wände voller Trophäen hängen.

Und dennoch. „Es gibt nicht nur die Guten und die Bösen“, erklärt David Chancellor, der in Kapstadt lebt, in Südafrika, dem Land mit der größten Jagdtätigkeit Afrikas. „Bei einer Sache wie der mit Cecil hat die Berichterstattung in den Medien zur Folge, dass manche Leute, die überhaupt nicht wissen, worum es geht, Entscheidungen treffen. In der Öffentlichkeit wird undifferenziert gegen die Jagd Stimmung gemacht, obwohl sie ein wichtiges Instrument des Artenschutzes sein kann.“

Mit seiner Arbeit versucht David Chancellor, die Widersprüchlichkeit und die Komplexität der Jagd zu veranschaulichen. Er verwendet neutrale Bildausschnitte und ästhetisch ansprechende Einstellungen, um beim Betrachter Reaktionen zu provozieren. Seine Kompositionen sprechen kein Urteil, sondern geben ein differenziertes Bild der Beweggründe dieser Männer und Frauen, die Tausende von Kilometern hinter sich bringen und Unsummen ausgeben, um ein Tier zu erlegen. „Oft habe ich erlebt, dass Jäger, die sich tagelang durch den Busch geschlagen hatten, nicht auf den Abzug drückten, als sie ihrer Beute gegenüberstanden. Andere blicken traurig drein, nachdem sie geschossen haben, und gehen stundenlang abseits der Gruppe. Ein Tier zu töten, ist eine extreme Erfahrung. Die Menschen sind danach weder fröhlich noch zufrieden. Und man macht es sich zu einfach, wenn man sagt: ‚Einen Löwen zu töten, ist entsetzlich, die Jagd muss ein Ende haben.‘“

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