Arthur Rimbaud

Von Afrika verzaubert

© Musée Arthur Rimbaud/Charleville-Mézières

Ausstellung endet am 9. September

Das Musée Arthur Rimbaud in Charleville-Mézières verfügt über wahre Schätze, die es erlauben, eine unbekannte Seite des Verfassers der Illuminationen zu entdecken. Arthur Rimbaud war nicht nur ein genialer Dichter, ein Reisender und Abenteurer, sondern betätigte sich auch fotografisch.

1866 träumte er mit seinen Schulkameraden in Charleville von einer Expedition zu den Quellen des Nils. Eine imaginäre Reise, die sich in Ein Aufenthalt in der Hölle niederschlug. Zehn Jahre später war aus dem Dichter ein Abenteurer geworden. Er trat in die niederländische Kolonialarmee ein. Aber erst nach vier Jahren setzte er zum ersten Mal den Fuß auf afrikanischen Boden, während zweier kurzer Aufenthalte in Souakin sowie Massaua, bevor er am 17. August 1880 in Aden eintraf.

Die Dichtung hatte er aufgegeben, doch er schrieb noch immer eifrig. Aus seiner Korrespondenz spricht der wiederkehrende Verdruss über sein neues Leben, „ein Leben voller Unheil und Missmut, aufgezehrt von dem fortwährenden Verlangen, anderswo zu sein, geprägt von Streitereien mit seinen Auftraggebern, waghalsigen Geschäftsvorhaben und Aufenthalten in Harar, das er erst nach aufreibenden Expeditionen auf dem Rücken von Kamelen erreichte“, wie Pierre Leroy schreibt. Kurz nach seiner Ankunft in Aden beschrieb Rimbaud die in der Enge eines Vulkankraters gelegene Stadt als „scheußlichen Felsen, auf dem nicht ein Grashalm wächst und kein einziger Tropfen klares Wasser fließt.“

Aden war zwar nicht Afrika, doch der schwarze Kontinent lag in spürbarer Nähe. Aus diesem sagenumwobenen Teil der Welt jenseits des Persischen Golfs kamen somalische Sambuken, beladen mit Tierhäuten, Kaffee, Elfenbein, Gold … und Träumen. Überall auf den Fluren des Hôtel de l’Univers hörte man Erzählungen von Reisenden, die von ihren Heldentaten und Abenteuern in dieser Terra incognita, die so alt war wie die Menschheit selbst, berichteten. Rimbaud folgte diesem Ruf der Fremde und überquerte das Meer. Er wollte sich in seinem Handeln verlieren und alles vergessen. Um sich selbst die Dichtung auszutreiben, die sein Leben gewesen war, brauchte er eine neue Leidenschaft, die nicht weniger gewaltig sein durfte. Diese Leidenschaft sollte Afrika werden.

Rimbauds Afrika: ausgedehnte Landschaften, in denen das Unbekannte lauert, grenzenlose Einsamkeit, Wüstenstriche mit zertrümmerten Felsbrocken, Feldlager, die Tiefe der Nacht, das langsame, schleppende Fortkommen der Karawanen, Berge und Flüsse. Runde Hütten, die vereinzelt im Nirgendwo stehen, und die wenigen Städte, allen voran Harar, ein Labyrinth, das von Leben nur so wimmelt.

Der Bestand an alten Fotografien aus dem Musée Arthur Rimbaud sowie der Mediathek Voyelles in Charleville-Mézières erlaubt es, den Worten aus Rimbauds Briefen Bilder zur Seite zu stellen. Oben stehender Text zeigt die ganze Ambivalenz dieser Worte, die angesichts des neuen Daseins in einem fort zwischen Abscheu und Faszination schwanken. Unter den Aufnahmen befinden sich die Handvoll Bilder, die Rimbaud 1883 selbst anfertigte, als er sich als Fotograf versuchte (drei davon Selbstporträts, die er seiner Familie schickte), aber auch Bilder aus den Händen von Zeitgenossen, denen er in den überschaubaren Kreisen der Europäer begegnete, die sich Ende des 19. Jahrhunderts an den Ufern des Roten Meers und Abessiniens aufhielten.

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