Stéphane Couturier

Climat de France

© Stéphane Couturier

Stéphane Couturiers Themen sind die großen Metropolen dieser Welt: Brasilia, Havanna, Barcelona, Berlin, Seoul, Paris, Moskau … Aber auch kleinere Städte, wie etwa das nordfranzösische Valenciennes, wo er in einer Autofabrik fotografierte, oder Chandigarh in Indien.

In Algier hat er sich der Wohnanlage Climat de France gewidmet. Dieser gewaltige Wohnblock – 233 Meter lang und 38 Meter breit – ist das Werk des Architekten Fernand Pouillon und sollte dazu beitragen, in dem vom Algerienkrieg zerrütteten Land Frieden zu schaffen. Er wurde vom damaligen Bürgermeister Jacques Chevallier in Auftrag gegeben, als Wohnstatt für Militärs sowie Algerier, die vor dem Krieg flohen. Manche der Bewohner leben dort seit dem ersten Tag. Ob Zufall oder Wink des Schicksals: Stéphane Couturier und Climat de France erblickten im selben Jahr das Licht der Welt, 1957.

Im Lauf der Jahrzehnte hat sich dieser befremdliche Kolossalbau in ein übervölkertes Ghetto verwandelt. Das aus Quadersteinen errichtete Gebäude mit seinen 5000 Wohnungen war für 30.000 Bewohner konzipiert. Heute drängen sich 60.000 Menschen in dieser bizarren Arche, oft teilt sich eine Großfamilie eine einzige, winzige Wohnung. Climat de France, die größte Wohnanlage Algiers, thront über dem Viertel Bab El-Oued auf der Westseite der Bucht von Algier. Von oben betrachtet, zeichnet sie ein makelloses Rechteck in das Straßengewirr der Hauptstadt. Der von 200 Säulen umstandene Innenhof bildet eine Stadt in der Stadt, die ein Eigenleben führt, in der die Polizei sich nur selten blicken lässt und wo Geschäfte am Fiskus vorbei und unter der Hand abgewickelt werden.

Diese Ausstellung rückt die Außenfassaden des Wohnblocks ins Licht – auf einem einzigen großen Bild. Zusammengestellt aus Dutzenden Aufnahmen, die Stéphane Couturier im Lauf mehrerer Jahre angefertigt hat, gibt dieses Bild wie bei einer horizontalen Kamerafahrt das Gebäude in seiner Gesamtheit wieder (freilich nicht in Originalgröße). Die beträchtlichen technischen Herausforderungen hat Couturier mit Bravour gemeistert. Das Ergebnis lässt den Betrachter die Wohnanlage in ihrem ganzen Gigantismus erleben. Dabei werden zwei Stufen der architektonischen Entwicklung sichtbar: das ursprüngliche Werk von Fernand Pouillon, und die Veränderungen, die die Bewohner im Lauf der Zeit vorgenommen haben. Neue Fensteröffnungen wurden in den Stein geschlagen, bestehende verschlossen. Unter dem Blick des Künstlers werden diese Beschädigungen zu Details eines faszinierenden fotografischen Panoramas.

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