Phil Hatcher-Moore

Hüter des Landes

© Phil Moore

Während des gesamten 20. Jahrhunderts gehörten Bäume weder zur Landwirtschaft noch zur ländlichen Welt. Zunächst wegen des Aufkommens der Traktoren, für die Bäume nichts anderes als Hindernisse darstellten, sodann infolge der Flurbereinigungen in den 1960er- und 1970er-Jahren. In Zeiten intensiver Landwirtschaft und maximaler Bodennutzung sind in Frankreich die Heckenlandschaften, in denen Wallhecken und Gehölz die Felder voneinander trennen, nach und nach verschwunden, und mit ihnen zahllose landwirtschaftliche Kleinbetriebe, an deren Stelle sich großflächige Produktionsbetriebe ausbreiteten. Die Folge: Gab es Anfang der 1960er-Jahre in Frankreich noch vier Millionen Bauernhöfe, so sind es heute nur noch 900.000. Das wiegt schwer für die Umwelt sowie die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Doch eine Handvoll biologisch wirtschaftender Landwirte setzt sich für die flächendeckende Wiederherstellung dieses Landschaftstyps ein, dessen natürlich gewachsene Hecken nicht nur eine verblüffende Artenvielfalt beherbergen, sondern auch das Landschaftsbild prägen, den Boden mit Nährstoffen versorgen und die Pflanzen auf den Äckern schützen. Sie wirken an der Bildung des Humus mit, jener nährstoffhaltigen Erdschicht, die durch Zersetzung organischer Materie entsteht und ohne die Leben auf dieser Erde nicht denkbar wäre. Durch das Engagement dieser Menschen findet die Agrarforstwirtschaft immer größere Verbreitung, eine Wirtschaftsform, die, sei es temporär oder auf Dauer, Waldbau und Ackerbau vereint.

Für diese dritte Auftragsarbeit konnte die Fondation Yves Rocher den britischen Fotojournalisten Phil Hatcher-Moore gewinnen. Er bereiste die Bretagne, die Loire-Region und die Auvergne und begleitete die Hüter und Hüterinnen des Landes bei ihrer Arbeit. Mithilfe örtlicher, regionaler und internationaler Organisationen konnten sie ihre Wirtschafsformen überdenken und die Grundlagen der Landwirtschaft von morgen legen. Ihrer Auffassung nach muss der Mensch wieder in Kontakt mit dem komplexen System der Natur kommen. Indem sie diese natürlichen Wälle wieder errichten, erwecken sie die Heckenlandschaften wieder zum Leben und geben der Erde neue Kraft.

Phil Hatcher-Moore (*1972) lebt in Wales. Als Reporter hat er fünf Jahre lang aus der kenianischen Hauptstadt Nairobi berichtet, unter anderem von den Konflikten in der Demokratischen Republik Kongo, insbesondere über die Aktivitäten der Rebellengruppe M23 im Osten des Landes. Er beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen wie den dramatischen Ereignissen auf dem Balkan und in Pakistan oder den Auswirkungen der Atomtests in Kasachstan. Stets findet er dabei die Nähe zu den Menschen.

Mit Unterstützung der Fondation Yves Rocher

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