Matthieu Ricard

Ein halbes Jahrhundert im Himalaja

© Jim Brandenburg

Matthieu Ricard ist Wissenschaftler, Dolmetscher für den Dalai Lama und zweifelsohne der bekannteste französische Buddhist. 1967 ließ sich der Sohn des Philosophen Jean-François Revel und der Malerin Yahne Le Toumelin in Indien im Himalaja nieder, wo er seitdem seinen Lebensmittelpunkt hat.

„Meine bescheidene fotografische Arbeit versteht sich als Hommage an die innere Schönheit weiser Menschen und die äußere Schönheit der Natur“, so Ricard. „Ich hatte das unbeschreibliche Glück, jahrzehntelang unter bedeutenden tibetischen Meistern zu leben und ihr außergewöhnliches Sein und Wirken beobachten zu können. Darüber hinaus habe ich das Alltagsleben der Einheimischen beobachtet, die intime Atmosphäre der Klöster, die Weite der tibetischen Hochebenen, die Erhabenheit der nepalesischen Berge und die Beschaulichkeit der Täler Bhutans.“ Mit zehn Jahren fing Ricard zu fotografieren an. Als Jugendlicher lernte er André Fatras kennen, einen der Pioniere der Tierfotografie, der ihn in die Grundlagen der Kunst der Fotografie einweihte. Seitdem hat ihn diese Leidenschaft nicht mehr losgelassen. „Die Fotos machen mich, nicht ich die Fotos“, pflegte Henri Cartier-Bresson zu sagen. Wir sollten also mit offenen Augen durch die Welt gehen. Matthieu Ricard drängen sich die Motive geradezu auf: eine bestimmte Situation, eine Landschaft oder ein Gesicht. 

„Eine gelungene Fotografie erkennt man daran, dass man nicht müde wird, sie zu betrachten“, so der fotografierende Mönch. Das kann die Aufnahme eines Klosters im Morgennebel sein oder ein Bild von Pferden im Galopp unter einem tibetischen Gewitterhimmel. „Manchmal“, so berichtet Ricard, „liegt ein Motiv für kurze Zeit in einem ganz besonderen Licht. In solchen magischen Momenten hat man das Gefühl, buchstäblich mit dem Licht zu malen.“ 

Aus nächster Nähe konnte er das Leben von Nomaden beobachten, heilige Stätten sowie die abgelegensten Gegenden auf dem Dach der Welt. Diese Ausstellung zeichnet seinen persönlichen Lebensweg nach, ein Leben, das der Weisheit, der Spiritualität sowie dem tibetischen Volk und seiner Kultur gewidmet ist. Henri Cartier-Bresson sagte treffend über Ricard: „Matthieus spiritueller Weg und seine Kamera sind eins. Aus dieser Verbindung entstehen seine Bilder, die zugleich flüchtig und zeitlos sind.“ Anfang 2018 zog sich Matthieu Ricard aus der Öffentlichkeit zurück. Im Alter von 71 Jahren war für ihn die Zeit das höchste Gut geworden. Bevor er in die Ruhe seiner Einsiedelei in der Nähe des Himalaja zurückkehrte, hat er persönlich die Bilder für diese Ausstellung ausgewählt. Fortan wird er sich dem Schweigen verschreiben. Wir werden nichts mehr von ihm hören.

 

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