Fausto Podavini

Das Ende einer Welt

© Fausto Podavin

Das Tal des Omo im Süden Äthiopiens ist eine jener mythischen Weltgegenden, die Fotografen, Reisende und Abenteurer schon seit Langem in ihren Bann schlagen. Das Tal am Unterlauf des Omo gehört seit 1980 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das faszinierende Leben der dort ansässigen Stämme sowie die Landschaften, die der Fluss auf über 800 Kilometern durchzieht, bevor er in den Turkana-See mündet, locken noch heute zahlreiche Touristen an, die auf der Suche nach der authentischen Atmosphäre des schwarzen Kontinents sind. 2008 wurde die Ruhe in diesem Heiligtum der Natur jedoch nachhaltig gestört, mit dem Baubeginn des Staudamms Gilgel Gibe III.

Der italienische Fotojournalist Fausto Podavini hat sechs Jahre lang die Auswirkungen des Staudamms auf die Region und das Leben ihrer Bewohner dokumentiert. Im Zuge der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung Äthiopiens, die von Investitionen aus Europa und China vorangetrieben wird, entstand dieses 240 Meter hohe Bauwerk, mit dem sich die Stromproduktion des Landes verdoppelt hat. Der Preis für derartige Entwicklungen sind oftmals gravierende landschaftliche, kulturelle und ökologische Veränderungen. So auch bei Gilgel Gibe III. Seit seiner Einweihung im Jahr 2016 hat der Damm nicht nur die Fließgeschwindigkeit des Omo beträchtlich verlangsamt, sondern auch die jährlichen Überschwemmungen verhindert und so das Leben der ortsansässigen Bauern, Viehzüchter und Fischer nachhaltig gestört. Vor allem aber verändert er die jahrhundertealten Gewohnheiten der Völker in diesem von Wald überwucherten Landstrich.

Nach Fertigstellung des Dammes hat die äthiopische Regierung Land, das ehemals in Stammesbesitz war, an private Gesellschaften verpachtet, die dort Zucker- und Baumwollplantagen errichteten. Die Stämme wurden umgesiedelt. Die vor Ort tätigen NGOs schätzen, dass über 100.000 Menschen direkt vom Bau des Staudamms betroffen sind.

Fausto Podavini hat für diese Arbeit 2017 den Prix Photo Fondation Yves Rocher/Visa pour l’image erhalten sowie 2018 beim World Press Photo Award den zweiten Preis in der Kategorie Langzeitprojekt. 

Mit Unterstützung der Fondation Yves Rocher

 

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