Chris Jordan

Unerträgliche Schönheit

© Victoria Sloan Jordan

24. November 2017, ein Black Friday, wie er in den USA jedes Jahr stattfindet. An diesem Tag ging ein Foto um die Welt, das eine Menschenmenge zeigt, die sich auf Flachbildfernseher stürzt. Verblüfft sah die Öffentlichkeit auf dieses Bild, das die Fratze eines nur allzu bekannten Monsters enthüllte: des maßlosen Konsums.

Kleidung, Nahrungsmittel, elektronische Geräte, Autos, Holz, Papier – die Konsumgier macht vor nichts halt. Bedingt durch die Bevölkerungsexplosion der letzten Jahrzehnte, den Wandel unserer Konsumgewohnheiten, das rasante Wachstum der Mittelschicht in den USA, aber auch in Indien und China, scheint der Konsum, diese vom Menschen geschaffene Geißel, inzwischen außer Kontrolle geraten. Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, angesichts von Prognosen, die für das Jahr 2050 eine Weltbevölkerung von 10 Milliarden Menschen vorhersagen, ist es höchste Zeit, diesem Problem des Konsums in der westlichen Welt mitsamt den schwerwiegenden Folgen, die er für unseren Planeten, aber auch für das Überleben der Menschheit haben kann, mit dem gebotenen Ernst entgegenzutreten. „Dass die menschliche Zivilisation in wenigen Jahrzehnten zugrunde gehen wird, ist so gut wie sicher“, schrieb kürzlich der bedeutende Biologe Paul R. Ehrlich, Autor des vor fünfzig Jahren erschienenen, kontrovers diskutierten Buches Die Bevölkerungsbombe, in dem er vor den Risiken der Überbevölkerung warnt. Bilder sagen mehr als tausend Worte – niemand weiß das besser als der kalifornische Fotograf Chris Jordan (*1963), Preisträger des renommierten Ansel Adams Award. Mit seiner Serie Unerträgliche Schönheit appelliert er an unser Gewissen. Jordan, der Jura studierte, bevor er sich 2001 ganz seiner Leidenschaft verschrieb, führt mit seiner fotografischen Handschrift schiere Anhäufungen von Dingen vor und erschafft so traumartige Bilder, die zugleich faszinieren und verstören. In diesen Unheil verkündenden Ansammlungen von Mobiltelefonen oder Autos zeichnen sich schattenhaft die Gewohnheiten unserer modernen Gesellschaft ab, unser reflexhaftes Handeln. Wir produzieren massenhaft Konsumgüter, reparieren nichts, bewahren nichts auf, sondern werfen grundsätzlich alles weg.

Trotz seiner entschiedenen Haltung will Chris Jordan nie belehren oder Schuldgefühle wecken. Er überlässt es dem Betrachter, aus den Folgen seines Handelns und seiner Gewohnheiten, aus der eigenen Blindheit und Sorglosigkeit die Konsequenzen zu ziehen. Damit wir endlich unser tägliches Tun überdenken.

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