Catalina Martin-Chico

Alter: 15 Jahre, Wohnort: La Gacilly

© Ivan Guilbert

Zwei Monate lang war die französisch-spanische Fotografin Catalina Martin-Chico in La Gacilly zu Gast und versuchte in dieser Zeit zu ergründen, wie das Leben aussieht, wenn man 15 Jahre alt ist und in einer kleinen Ortschaft lebt. In Frankreich hat die Regierung vor Kurzem festgelegt, dass Jugendliche ab einem Alter von 15 Jahren selbst über die Verwendung ihrer Daten entscheiden können. Martin-Chico geht den Fragen nach, die Jugendliche auf dem Land in diesem Alter beschäftigen. Erst kürzlich der Kindheit entwachsen und der Familie noch fest verbunden, wenden sie sich der Welt zu, knüpfen unverbrüchliche Freundschaften und entdecken die Freuden des Lebens. Und fragen sich: bleiben oder weggehen? Wohin, und wozu? Eine komplexe und entscheidende Phase im Leben jedes Jugendlichen, in der – oft viel zu früh – Entscheidungen fürs Leben fallen. Catalina Martin-Chico hat junge Menschen in ihrem Alltag begleitet. Dabei konnte sie, mit der für sie typischen Zurückhaltung, tief in deren Seelen vordringen.

„Ich kannte die Bretagne nicht, und ich war auch zum ersten Mal als artist in residence an einem Ort“, berichtet die Fotografin. „Ich hatte keinerlei Vorstellung, was ich machen würde. Es war wie einen Film zu sehen, von dem man nicht das Geringste weiß und auch keine Vorschau kennt. Wie eine Reise in ein unbekanntes Land. Eine Herausforderung, die die Neugierde noch weiter steigert!“ Catalina Martin-Chico wurde 1969 in Biarritz geboren und erhielt ihre Ausbildung unter anderem am ICP in New York. Größere Aufmerksamkeit erfuhr sie das erste Mal mit ihrem Langzeitprojekt über den Bürgerkrieg im Jemen, für das sie den Preis Visa d’Or des Internationalen Roten Kreuzes erhielt. 2017 wurde sie für ihre außergewöhnliche Berichterstattung über die FARC in Kolumbien mit dem Prix Canon für Fotojournalistinnen ausgezeichnet. Sie arbeitet regelmäßig für französische und internationale Zeitungen und Magazine, jedoch nur selten in Frankreich. „Ich reise gerne in Länder, in denen mich die Menschen leicht an sich heranlassen“, erzählt sie. „Hier in La Gacilly ging das alles viel langsamer. Die Franzosen scheinen etwas zurückhaltender zu sein, wenn sie vor der Kamera stehen – jedenfalls die Menschen in der Bretagne! Aber die jungen Leute hier sind sehr tief mit ihrer Heimat verwurzelt. 15 Jahre ist ein Alter, in dem alles durcheinandergerät: Man ist kein Kind mehr, aber auch noch nicht erwachsen … Manche wollen bleiben, andere weggehen. Die einen wollen weiter weg, nach Paris oder Kanada, die anderen wollen einfach nur in der Stadt leben, etwa in Rennes. Aber ich glaube, wohin sie auch gehen, sie werden immer einen Teil ihrer Heimat mitnehmen, einen Teil ihrer Wurzeln, einen Teil der Bretagne.“

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